toskana1 027„Ich will Wegbegleiter sein", heißt das erklärte Credo von Jürgen Fugman, der im Rother Stadtgebiet die „aufsuchende Jugendarbeit" praktiziert.

Sein Ziel: „Die Lebenslage von Jugendlichen verbessern, die auf der Straße abhängen". Oder anders gesprochen: Der Pädagoge will „auf die Jugendlichen zugehen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe offerieren, Perspektiven vermitteln".

Damit sei das Projekt „aufsuchende Jugendarbeit" auf dem selben Nährboden wie die Sozialraumanalyse gewachsen, betont Karin Reich, Leiterin des städtischen Jugendhauses. „Und es ist eine Maßnahme, mit der wir im Rother Jugendausschuss offene Türen eingerannt haben".

Dabei ist das Problem nicht neu: „Es gibt Jugendliche, die lieber auf der Straße herumhängen, als Angebote wahrzunehmen, die man ihnen von institutioneller Seite her unterbreitet“, erläutert Jürgen Fugmann. Das heißt im Klartext: Sie besuchen keine Jugendtreffs, schließen sich keinen Vereinen an. Die Jugendlichen verbringen ihre Freizeit stattdessen an so genannten „informellen Treffpunkten“, was in der Vergangenheit bisweilen zu Unmut in der Bevölkerung führte, weil die Plätze nicht eben sauber hinterlassen würden und der Lärmpegel mitunter hoch sei. Vor allem wenn Alkohol im Spiel wäre, träten auch Formen von Vandalismus auf, weiß Fugmann.

Für ihn beginnt die Arbeit mit einem Gespräch: „Ich bin Gast auf der Straße, gehe auf diese jungen Menschen zu und mache ihnen ein Angebot. Ich biete an, dass mich die Jugendlichen kontaktieren können, wenn sie der Schuh drückt. Ganz zwanglos, ganz unverbindlich“.

Dass dieses Gesprächsangebot auch angenommen wird, dessen ist sich Jürgen Fugmann ganz sicher. „Ich biete ja nicht nur kurzfristige Hilfe bei akuten und individuellen Problemen an, wie etwa der Suche nach einer Lehrstelle, sondern auch langfristige und nachhaltige Unterstützung – beispielsweise wenn es darum geht, geeignete Räumlichkeiten für die Jugendlichen zu finden“.

Damit betritt Jürgen Fugmann aber kein Neuland. Im Gegenteil: Seit 15 Jahren praktiziere er diese Form der Jugendarbeit nun schon - fünf Jahre davon als Jugendreferent in Hilpoltstein. Was er übrigens auch weiterhin bleiben werde, weil ihn die Arbeit in Roth nicht mehr als sieben Stunden pro Woche beanspruchen sollte.

Das „Geheimnis seines Erfolges“ mag Fugmann indes nicht verraten, weil „es da kein großes Geheimnis gibt. Mir liegen diese Jugendlichen wirklich am Herzen und vielleicht spüren sie das“. Sicherlich sei sein Job Vertrauensarbeit. Deshalb würde er sich auch hüten, wie ein verlängerter Arm des Sicherheitsdienstes oder der Polizei aufzutreten. „Wegbegleiter“ wolle er vielmehr sein, wenn Jugendliche ihre Probleme artikulieren und nach Lösungen suchen.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang das Wissen um ein intaktes Netzwerk. Denn Fugmann müsse als „Schnittstelle“ fungieren, betont er. Einmal, um die Interessen von Anwohnern, Eltern und Jugendlichen zusammenzubringen. Zum anderen brauche er Institutionen wie das städtische Jugendhaus/-büro,
dem er als Honorarkraft unterstellt sei und das ihm Schützenhilfe in allen Belangen gebe. Dann wären da weiterhin das Jugendamt, die Jugendgerichtshilfe, die Polizei, die Schulen oder die Träger berufsbildender Maßnahmen zu nennen, deren „Input“ er benötige, um den Jugendlichen realistische Perspektiven aufzeigen zu können.

Gerade hat Jürgen Fugmann seinen Info-Flyer an einigen Schulen verteilt. „Dann wissen die Jugendlichen schon mal, dass ich demnächst auf sie zukommen könnte“. Als nächstes gehe es nun darum, eine Bestandsaufnahme zu machen: Wo treffen sich die Jugendlichen? Welche Jugendlichen sind es – im Hinblick auf Nationalität, Sozialstatus und so weiter? Welche Probleme gibt es?

Diese und ähnliche Fragen gilt es zu beantworten. Ist das getan, wollen Lösungen gefunden werden. „Zum Wohle aller – aber vor allem dem der Jugendlichen“.


Jürgen Fugmann ist zu erreichen unter Telefon 0160 8014276 – und zwar jeweils montags und dienstags von 17 bis 20 Uhr. Außerdem kann eine eMail gesendet werden an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

flyer